zu jung um zu zerbröseln
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Die hier ist nun ein Drehbuch, das von uns vor ein paar Jährchen geschrieben wurde. Auf das Alter bitte Rücksicht nehmen


CRISPY
oder wie man mit wenig Aufwand
an viel Geld kommen könnte

von

Carina
Stephanie
Christina
Alexandra


1. HOCHZEIT IM GARTEN AUSSEN/TAG

In einem Garten wurde eine Art Altar aufgebaut. Davor stehen LINUS und MICHELLE mit dem Pastor. Hinter ihnen, zu zwei Seiten, sitzt die Hochzeitsgesellschaft. (TOTAL)

ZOOM bis wir sehen, dass wir über die Schulter von CHANTAL blicken.

FAHRT bis wir CHANTAL mit der Pistole in der Hand von vorne sehen.


2. GARTEN AUSSEN/TAG

NAH

PASTOR
Willst du, Linus Büchner, die hier anwesende Michelle Witte zu deiner Frau nehmen, sie lieben und ehren, bis das der Tod euch scheidet? So antworte mit: Ja, ich will!

LINUS
Ja, ich will!

PASTOR
Und du, Michelle Witte, den hier anwesenden Linus Büchner zu deinem Mann nehmen, ihn lieben und ehren, bis dass der Tod euch scheidet? So antworte mit: Ja, ich will!

MICHELLE
Ja, ich will!

PASTOR
Dann erkläre ich euch hiermit zu Mann und...

ZWEI SCHÜSSE fallen. MICHELLE sinkt wie in Zeitlupe zu Boden, die Schüsse haben ihren Rücken getroffen. Einige GÄSTE SCHREIEN („Oh mein Gott!“ OFF), LINUS sinkt neben MICHELLE zu Boden und nimmt ihre Hand, während einige MÄNNER zu Hilfe eilen.

JEMAND
(OFF)
Schnell, einen Notarzt!


3. CHANTAL AUSSEN/TAG

Im Hintergrund hören wir die Schreie. CHANTAL lächelt.

CHANTAL
(höhnisch)
Bis dass der Tod euch scheidet...!

Sie steckt die Pistole ein und haut ab.


4. GARTEN AUSSEN/TAG

Aus MICHELLES Mund rinnt Blut in ihren Schleier.
SCHWENK auf LINUS. Er wird, wahrscheinlich unbewusst, von anderen zurückgedrängt. Er steht auf, verharrt einen Moment.


5. GARTEN AUSSEN/TAG

Wir befinden uns in Chantals Versteck. LINUS entfernt sich langsam von den anderen, die sich um MICHELLE scharen. Er kommt auf uns zu, bis er schließlich an uns vorbeigeht.

ABBLENDE

VORSPANN („WARUM“ Remix)

AUFBLENDE ZU:


6. KRANKENHAUS INNEN/TAG

JULE schließt gerade die Tür eines Krankenzimmers hinter sich, als ihr die KRIPOBEAMTIN ALICIA entgegenkommt.
Diese hält sie auf.

ALICIA
Entschuldigen Sie bitte, können sie mir sagen, wo das Zimmer von Linus Büchner ist? Er ist heute Nacht eingeliefert worden!

JULE
(denkt kurz nach)
Büchner ... Stimmt, die Amnesie, ja den haben wir heute Nacht aufgegriffen. Gleich hier im Gang runter, die letzte Tür rechts. Sind sie eine Verwandte?

ALICIA
Nein, mein Name ist Alicia Schneider, ich bin von der Kriminalpolizei (zeigt ihren Ausweis). Können Sie mir sagen, wie es ihm geht?

JULE
Soweit ich weiß den Umständen entsprechend, aber er kann sich immer noch an nichts erinnern.


ALICIA
Ich werde trotzdem mal nach ihm sehen. Kann ich ihm ein paar Fragen Stellen?

JULE
Das denke ich. Stört es Sie, wenn ich trotzdem mitkomme? Vorsichtshalber...

ALICIA
In Ordnung.

Die beiden gehen los.

ALICIA
Ach sagen Sie, ist er verletzt?

JULE
Nein – merkwürdigerweise. Denn er war schon eine ganze Zeit unterwegs, als ihre Kollegen ihn aufgegriffen haben. Uns wurde gesagt, dass es einen Mord gegeben haben soll?!

ALICIA
Ja seine Ehefrau, das heißt, die beiden standen gerade vor dem Traualtar.


7. KRANKENZIMMER INNEN/TAG

LINUS sitzt auf der Bettkante, er sieht zum offenen Fenster hinaus – er wirkt abwesend. ALICIA und JULE betreten den Raum.
JULE geht zum Fenster und schließt es. ALICIA bleibt einen Augenblick stehen.

ALICIA
Herr Büchner?

LINUS antwortet nicht.

JULE
Linus, Sie haben Besuch.

Er dreht sich um, sieht ALICIA einen Moment an, streckt ihr dann die Hand entgegen.

LINUS
(höflich)
Guten Tag Frau ....

ALICIA
(nimmt seine Hand)
Schneider.

LINUS
(unsicher)
Müsste ich mich an Sie erinnern?


ALICIA
Nein, wir kennen uns nicht. Ich bin von der Kriminalpolizei. Man hat mich beauftragt, den Mord an ihrer Frau zu klären.

LINUS reagiert darauf ziemlich gleichgültig.
ALICIA zieht sich einen Stuhl zum Bett und setzt sich.

LINUS
Sagen Sie - haben Sie ein Bild von ihr?

ALICIA
Haben Sie denn keins? In ihrer Brieftasche?

LINUS
(erst forsch, dann niedergeschlagen)
Ich weiß es nicht! Ich weiß ja nicht einmal mehr, dass ich überhaupt eine Frau habe...hatte. Also, haben Sie eines?

ALICIA zieht ein Foto aus ihrer Tasche und gibt es LINUS.


8. FOTO INNEN/TAG

Das Bild ist höchstens ein Jahr alt.


9. KRANKENZIMMER INNEN/TAG

ALICIA sieht LINUS an.


10. KRANKENZIMMER

Er sieht sich interessiert das Bild an, eben so, wie man sich ein Bild ansieht, wenn man es zum ersten mal sieht. Dann sieht er einen Moment auf und dann wieder auf das Bild.

LINUS
(murmelt)
Michelle...

ALICIA horcht auf.

ALICIA
(begeistert, vielleicht ein bisschen übermotiviert)
Erinnern sie sich an etwas???

LINUS
(zerreißt das Bild und wirft es ALICIA auf den Schoß)
NEIN!

Er steht auf, geht raus und knallt die Tür zu. ALICIA will hinterher, doch JULE, die sich bis jetzt im Hintergrund gesehen hat hält sie an der Schulter zurück.



JULE
Lassen Sie, das hat keinen Sinn. Gehen Sie lieber, ich rufe Sie an, wenn es ihm besser geht.

ALICIA lächelt gequält.


11. ALICIAS WOHNUNG INNEN/NACHT

Draußen ist es dunkel, die Schreibtischlampe brennt, sie spiegelt sich im Fenster.


12. ALICIAS WOHNUNG INNEN/NACHT

Wir sehen ALICIAS Hände. Sie klebt mit Tesafilm das Foto von MICHELLE zusammen, das LINUS zerrissen hat.


13. ALICIAS WOHNUNG INNEN/NACHT

ALICIA hält das „fertige“ Foto in den Händen, guckt es an und lächelt nachdenklich. Sie legt das Foto rechts neben sich auf einen Stapel Akten. Sie lehnt sich nach hinten, streckt sich und gähnt herzhaft.
Die Schreibtischlampe geht aus.

ALICIA
Scheiße, so`n Mist aber auch!!!

Sie tastet sich im Dunkeln zur Tür, stößt sich an etwas.

ALICIA
Aua!!!

Sie macht die Deckenlampe an. Auf dem Schreibtisch klingelt das Telefon. ALICIA dreht sich genervt um, geht hin und nimmt ab.

ALICIA
(fragend)
Schneider?

Sie geht zum Sofa, lässt sich fallen, lehnt sich zurück, zieht die Beine an und massiert sich ihren schmerzenden Fuß.

ALICIA
Ah, hallo Mark, was willst du denn jetzt noch? Irgendeine heiße Spur?

Pause

Nee, ich auch noch nicht. Hab` gerade das Foto von der Frau wieder zusammengeklebt. Ihr Mann, also der Büchner, hatte es zerrissen.

Pause

Ja, als ich im Krankenhaus war. Er wollte es sehen, aber er kann sich an nichts erinnern. Der ist total fertig.

Pause

Ach Schnickschnack, du glaubst doch nicht, dass er der das selber war?! Der stand doch daneben! (nachdenklich) Da müsste er ja ´nen Killer gehabt haben. Und außerdem... auf der eigenen Hochzeit... vor soviel Zeugen... das hätte er ja hinterher machen können, wenn es ihm um die Lebensversicherung gegangen wäre.

Pause

Doch, die hatte sie, steht in den Akten. Die beiden hatten am selben Tag eine abgeschlossen... ist etwa eine Woche her.

Pause

Also den Faden brauchen wir überhaupt nicht weiterspinnen. Lass uns lieber mal die übrigen Gäste unter die Lupe nehmen!

Pause

OK, dann sehen wir morgen weiter, ich bin auch hundemüde(gähnt)! Also dann, gute Nacht!

Sie legt auf, legt das Telefon auf den Boden, streckt sich noch mal, geht aus dem Raum, macht das Licht aus und schließt die Tür.

ABBLENDE

AUFBLENDE ZU:


14.KRANKENZIMMER INNEN/TAG

Die Sonne scheint in den Raum.
JULE betritt das Zimmer, LINUS schläft noch.

JULE
(flüstert)
Guten Morgen Linus!

Er reagiert nicht. Sie stellt ihm vorsichtig ein Tablett mit Frühstück auf den Nachttisch, geht weiter zum Fenster, zieht die Vorhänge auf und stellt es auf kipp. LINUS wacht auf, er richtet sich langsam auf und blinzelt verschlafen mit den Augen.
JULE dreht sich zu ihm um und lächelt ihn vorsichtig an.

JULE
Guten Morgen! Wie geht es Ihnen heute? Haben Sie gut geschlafen?

LINUS
(lächelt unsicher zurück)
Ich denke schon... danke.


JULE
Schön. Ich muss jetzt weiter, ich hab noch zu tun. Melden Sie sich, wenn Sie was brauchen.

Sie geht aus dem Raum und schließt die Tür. LINUS nimmt sich das Tablett und fängt an zu frühstücken.


15. KRANKENHAUSFLUR INNEN/TAG

JULE schließt die Tür und geht den Flur hinunter. Von der anderen Seite kommt ihr CHANTAL entgegen. Vor der Tür mit der Aufschrift „Schwesternzimmer“ bleibt sie unsicher stehen. JULE hat sie schon bemerkt und geht auf sie zu.

JULE
(freundlich)
Guten Morgen, kann ich Ihnen weiterhelfen?

CHANTAL
(höflich, unsicher)
Ja, Guten Tag. Ich weiß nicht so genau ... Ich suche Linus, Linus Büchner... Er muss vorgestern gegen Abend hier eingeliefert worden sein...?!

JULE
Sind Sie eine Verwandte?

CHANTAL
Oh, Verzeihung, (sie gibt JULE die Hand) mein Name ist Chantal Gräbe. Ich bin eine Art Freundin von Michelle, seiner ... Verlobten gewesen. Ich war nicht auf der Hochzeit und habe es erst hinterher erfahren. Oh mein Gott, das ist alles so schrecklich... Besonders für ihn muss es schlimm sein! Kann ich zu ihm?

JULE
Ja, natürlich. Kommen Sie mit, ich bringe Sie zu ihm, er frühstückt gerade. Aber... (die beiden bleiben vor LINUS` Zimmer stehen)

CHANTAL
Ja?

JULE
Er wird Sie nicht erkennen. Er hat eine Amnesie.

CHANTAL sieht JULE fragend an.

JULE
(bemerkt ihre Unsicherheit)
Er hat sein Gedächtnis verloren!

CHANTAL
(scheinbar besorgt)
Oh!

CHANTAL ist sichtlich erstaunt, doch nicht aus Besorgnis, sondern weil ihr LINUS` Amnesie zu gute kommt.
JULE bemerkt ihre Reaktion nicht und öffnet die Tür.

JULE
(schiebt CHANTAL in den Raum)
Linus, Besuch für Sie!

Dann schließt sie die Tür.


16. KRANKENZIMMER INNEN/TAG

CHANTAL steht vor der Tür, LINUS stellt das Tablett auf den Nachttisch. Die beiden sehen sich einen Moment an.

LINUS
(leicht genervt)
Sind Sie auch von der Polizei? Ich erinnere mich immer noch an nichts!

CHANTAL
(zieht sich einen Stuhl zu Linus ans Bett
und setzt sich, sie ist leicht verlegen)
Nein, nein! Keine Sorge... Man hat mir schon gesagt, dass du mich nicht erkennen wirst. Ich bin Chantal, Chantal Gräbe, die Freundin von Michelle, deiner...

LINUS
(unterbricht sie forsch)
Ja ja. Ich weiß schon von Michelle. Die von der Polizei haben mir von ihr erzählt.

CHANTAL
(verunsichert)
Ach so. Entschuldigung... Also ich... ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass mir das alles furchtbar leid tut und... Also, wenn du irgendwelche Hilfe brauchst, dann...

LINUS
(schon freundlicher)
Danke! Ich komm drauf zurück, wenn was ist und... wegen eben... Ich glaub ich hab auch ein bisschen heftig reagiert... `tschuldigung!

CHANTAL
Schon gut! Ich glaub ich geh dann mal, du willst sicher in Ruhe frühstücken! Bis bald!

LINUS
Tschüss!

CHANTAL verlässt den Raum. LINUS verharrt einen Moment und nimmt sich dann wieder das Tablett.

ABBLENDE

INSERT: „Zur gleichen Zeit“


AUFBLENDE ZU:


17. TATORT AUSSEN/TAG

ALICIA läuft im Garten herum, wo die Hochzeit stattgefunden hat. Es stehen nur noch einige verwaiste Stühle herum, der improvisierte Altar wurde entfernt. Es sieht aus, als hätte die Spurensicherung schon ganze Arbeit geleistet, denn die Stelle, an der Michelle niedergeschossen wurde ist umzäunt.
Ab und zu bückt ALICIA sich, guckt etwas an, steht wieder auf und geht weiter. Plötzlich hockt sie sich hin, an einer Stelle, etwas Abseits, an der kein Gras wächst und betastet vorsichtig den Boden. Es ist CHANTALS Versteck.

ZOOM bis wir einen deutlichen Schuhabdruck sehen, daneben liegt eine Patronenhülse. ALICIA holt einen Fotoapparat aus ihrer Handtasche und fotografiert den Abdruck, steckt den Apparat zurück, holt einen Plastikbeutel hervor und steckt die Hülse hinein, dann packt sie auch das wieder ein und holt ihr Handy heraus. Während sie zu einem Baum schlendert und sich an ihn anlehnt, wählt sie eine Nummer.

ALICIA
Hey Mark! Ich bin`s Alicia. Ich bin gerade am Tatort. Die Spurensicherung war echt schlampig. Du rätst nie, was ich gefunden habe!

Pause

Einen Schuhabdruck und eine Patronenhülse!

Pause

Ja, da hab ich auch Augen gemacht!

Pause

Ja von mir aus, oder, warte, ich kann sie dir auch gleich am Präsidium vorbeibringen, dann können wir am besten sofort prüfen lassen, ob die Hülse zu den Patronen aus der Mordwaffe gehört. Und bevor ich`s vergesse: Du kannst gleich noch mal ein paar Leute vorbeischicken, damit die Abdrücke von der Spur nehmen!

Pause

Na prima, dann brauchen wir ja nur noch eine Person finden, die solche Schuhe trägt.

Pause

Na ja, vielleicht haben wir ja Glück und es gibt nicht so viele Personen, die solche Schuhe besitzen! Von der Form her tippe ich auf eine Frau und der Absatz sieht ziemlich ausgefallen aus...

Pause

Oh Gott, dass kann ja eine Arbeit werden, wenn wir sämtliche Frauen im Bekanntenkreis der Toten wegen ihrer Schuhe überprüfen müssen... Am besten fangen wir bei den Hochzeitsgästen an, weil der Schuhabdruck zu einem eleganten Schuh passt, dass heißt, wir sollten niemanden auslassen. Hoffentlich finden wir unser Aschenputtel schnell, aber Märchen enden ja bekanntlich immer gut!

Pause

Hast du dich übrigens schon mit den Zeugenaussagen der Gäste beschäftigt?!

Pause
(ungehalten)

Ja warum denn nicht???

Pause
(immer noch ungehalten)

Dann besorgst du dir eben die Gästeliste! Wo liegt dein Problem?

Pause

(verdreht genervt die Augen)

Oh Mann, Mark, wie bist du bloß bei der Kripo gelandet?!

Pause

OK, dann bis gleich du Töffel! Und vergiss die Spurensicherung nicht! Ciaoi!

ALICIA steckt ihr Handy wieder in die Handtasche zurück, dann geht sie. Wir sehen sie von hinten verschwinden.

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18. KRANKENHAUS INNEN/TAG

CHANTAL verlässt LINUS` Zimmer. Auf dem Flur sieht sie JULE gerade aus dem Schwesternzimmer kommen. CHANTAL läuft auf sie zu.

JULE
(lächelt)
Das war aber ein kurzer Besuch! Hat er sie vergrault?

CHANTAL
(guckt sie verwundert an, bemerkt dann aber
dass JULE es nicht ernst gemeint hat)
Ich mache mir Sorgen u ihn. Wissen sie wann er aus dem Krankenhaus entlassen wird? Und was wird dann aus ihm? Wie wird er dann weiterbehandelt? Oder bleibt er im Krankenhaus, bis er sein Gedächtnis wieder hat?
JULE
Da brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Ich denke mal, dass er im Laufe der Woche entlassen wird, er ist ja nicht verletzt, oder so. Danach bleibt er dann erst mal in psychologischer Behandlung, um ihn bis zu dem Zeitpunkt an dem er sich vielleicht wieder erinnert zu unterstützen. Und das kann lange dauern, wenn es überhaupt soweit kommt. Ach ja, da fällt mir ein... Können Sie vielleicht ihren Namen mit Telefonnummer hinterlassen? Die Polizei hat mich darum gebeten, jeden Gast danach zu fragen, für Rückfragen, wissen Sie...

CHANTAL
Okay. Könnten Sie mir dann auch bitte Bescheid sagen, wenn Linus entlassen wird? Ich würde ihn dann abholen und nach Hause fahren.

JULE
Das sprechen Sie am besten selber mit ihm ab!

CHANTAL
OK, vielen Dank, Ich muss dann auch wieder los! Ciao!

JULE
Tschüss!

ABBLENDE

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19. PRÄSIDIUM INNEN/TAG

MARK sitzt an seinem Schreibtisch über seiner Akte. Er kaut auf einem Kugelschreiber herum. ALICIA reißt die Tür auf, MARK sieht auf, lehnt sich in seinen Sessel zurück und verschränkt die Arme. ALICIA tritt sich die Füße ab und nimmt ihre Post aus ihrem Fach. Sie ist völlig außer Atem.

MARK
(sieht sie amüsiert an)
Ach... jetzt bin ich ja mal gespannt.

ALICIA
(genervt)
Ja, ja, tausendmal Entschuldigung. Ich habe verschlafen!

MARK
Mmmh, klar, Frau Superpünktlich hat verschlafen...

ALICIA sieht ihn strafend an.

MARK
OK, lassen wir das, ich hab´ hier was, das dich interessieren dürfte.

Er hält ihr einen Zettel unter die Nase, als sie ihn greifen will, nimmt er ihn schnell wieder zurück. ALICIA muss lachen, schnappt sich den Zettel, rollt ihn schnell auf und gibt MARK damit einen scherzhaften Schlag in den Nacken. Dieser steht auf und geht grinsend in den Nebenraum. ALICIA nimmt auf seinem Sessel Platz und liest den Zettel.

ALICIA
Also hatte ich Recht, die Patrone stammt aus der Mordwaffe!

Schweigen

MARK
(ruft aus dem Nebenraum)
Willst du auch `nen Kaffee?

ALICIA
Ja!


20. NEBENRAUM INNEN/TAG

MARK schenkt Kaffee in zwei Tassen, dann nimmt er Salz aus dem Schrank und kippt eine ordentliche Portion in eine Tasse.
Dann klingelt das Telefon.


21. BÜRORAUM

MARK kommt wieder ins Zimmer.

MARK
Hol du bitte mal den Kaffee!

(er geht nimmt den Hörer ab)

Stege, Kripo Hamburg?!

Pause

Herr Dr. Ziegler, was gibt’s denn?


22. NEBENRAUM INNEN/TAG

ALICIA will gerade die Tassen mitnehmen, da stutzt sie. MARK hat den Salzstreuer stehen gelassen. Neben ihrer Tasse liegen noch ein paar Krümel. ALICIA stemmt die Arme in die Hüfte, überlegt kurz, dann grinst sie, kippt ihren Kaffe weg, schenkt sich neuen ein und schüttet Salz in MARKS Tasse.
Dann geht sie zufrieden mit den beiden Tassen zurück in den Büroraum.


23. BÜRORAUM INNEN/TAG

MARK
In Ordnung, wir kommen dann gegen drei zu Ihnen und holen ihn ab. Vielen Dank für Ihren Anruf. Auf Wiederhören!

ALICIA stellt die Tassen auf den Tisch und MARK erwartungsvoll an.

MARK
Das war der Arzt, der Büchner betreut. Er wird heute entlassen, wir sollen ihn abholen. Auf dem Weg zu seinem Haus können wir ihn auch gleich zum Tatort fahren. Dr. Ziegler meinte, wir sollten es wenigstens versuchen. Vielleicht haben wir ja Glück und sein Gedächtnis kehrt wieder zurück... aber darauf würde ich nicht wetten!

MARK nimmt einen großen Schluck aus seiner Tasse.


24. TÜR ZUM BÜRORAUM INNEN/TAG

MARK
Boah, was hast du denn da reingetan?! Das ist ja widerlich!

ALICIA lacht. Die Tür wird aufgerissen, ALICIA kommt rausgerannt, MARK hinterher. Er hat die Kaffeetasse in der Hand.

MARK
Na warte!!!


25. LINUS` KÜCHE INNEN/TAG

LINUS und CHANTAL sitzen am Küchentisch.

LINUS
Naja, und jetzt muss ich halt zweimal in der Woche zu diesem Psychodoktor, damit er mir auf die Sprünge...

Es klingelt. CHANTAL und LINUS sehen sich an. Als LINUS aufstehen will, hält CHANTAL ihn zurück.

CHANTAL
Ich geh schon.


26. FLUR INNEN/TAG

CHANTAL hat die Haustür erreicht. Wir sehen aus ihrer Perspektive, wie sich die Tür vorsichtig öffnet. Davor stehen MARK und ALICIA.


27. HAUSTÜR AUSSEN/TAG

Aus MARKS und ALICIAS Perspektive: CHANTAL ist sichtlich überrascht.


28. FLUR INNEN/TAG

MARK
Kripo Hamburg (zeigt seinen Ausweis)! Sind Sie Frau Gräbe?


29. HAUSTÜR AUSSEN/TAG

CHANTAL ist geschockt.

CHANTAL
Ja, die bin ich. Ähm, wollten Sie vielleicht reinkommen?

ALICIA
(OFF)
Danke!

Die beiden gehen an der verwirrten CHANTAL vorbei ins Haus.

ABBLENDE

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30. HAUSTÜR AUSSEN/TAG

MARK, LINUS und Alicia kommen aus dem Haus und gehen zum Auto von ALICIA und MARK. CHANTAL bleibt in der Haustür stehen.

LINUS
(zu CHANTAL)
Wenn dir das zu lange dauert, geh´ ruhig nach Hause. Ich komm schon zurecht.

CHANTAL
(leicht enttäuscht)
OK!


31. TATORT AUSSEN/TAG

MARK, ALICIA und LINUS steigen aus dem Auto. Sie gehen rüber zum Tatort. LINUS bleibt vor der Polizeiabsperrung stehen.

LINUS
Hier?

ALICIA nickt.

ABBLENDE

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32. LINUS´ HAUS AUSSEN/TAG

CHANTAL kommt aus dem Haus. Sie schließt die Tür ab und dreht sich um.
JULE steht vor ihr.

CHANTAL
Oh mein Gott, haben Sie mich erschreckt!


JULE
Entschuldigung, das wollte ich nicht. Ich kam gerade zufällig vorbei und da habe ich Sie gesehen. Wie geht es Linus?

CHANTAL
Ich denke er kommt ganz gut zurecht. Die Kripo war eben hier. Die haben ihn zum Tatort mitgenommen. Man hatte Ihnen offensichtlich nicht gesagt, dass ich Linus abhole, die waren erst im Krankenhaus und wurden dann her geschickt.

Pause

Sagen Sie, hätten Sie nicht Lust ans neue Cafè am Gänsemarkt zu gehen?


33. TATORT AUSSEN/TAG

LINUS hat sich mittlerweile auf einen der Stühle gesetzt, die noch vom Tag der Hochzeit herumstehen und den Kopf auf die Hände gestützt. Einige Meter hinter ihm stehen ALICIA und MARK.

MARK
(zu ALICIA)
Komm, lass uns gehen, das ist reine Zeitverschwendung!

Er geht los, um LINUS Bescheid zu sagen.

ALICIA
(zu sich selbst)
Shit!


34. CAFÈ AUSSEN/TAG

JULE und CHANTAL sitzen sich in einem kleineren Cafè auf der Terrasse gegenüber, jede vor sich eine Tasse Tee. CHANTAL rührt ihre Tasse um, legt den Löffel zur Seite und trinkt, JULE rührt unentwegt in ihrem Tee und sieht CHANTAL erwartungsvoll an. Offensichtlich wissen beide nicht, was sie sagen sollen.
Die BEDIENUNG kommt mit zwei Tellern mit je einem Kuchenstück. Sie stellt beiden je einen Teller hin. JULE sieht zu ihr auf.

JULE
Dankeschön.

CHANTAL blickt ebenfalls zur Bedienung auf.

CHANTAL
Vielen Dank.

BEDIENUNG
(lächelnd)
Bitte.

Sie streicht sich kurz die Schürze glatt und geht wieder. Die beiden fangen an zu essen.

JULE
Eigentlich könnten wir auch „du“ zueinander sagen, oder?

CHANTAL
Ja klar, ich bin Chantal.

JULE
Jule.

Schweigen.

JULE
Kann ich dich mal was persönliches fragen?

CHANTAL
Ja, natürlich.

JULE
Du kennst Linus doch schon länger, oder?

CHANTAL
Ja, worauf willst du hinaus?

JULE
Naja, also, Linus ist ja nicht übermäßig hässlich oder so...

CHANTAL
(lacht laut auf)
Ach so, sag das doch gleich! Du willst wissen, ob ich mal daran gedacht habe Michelle Linus quasi auszuspannen?!

JULE
(sieht peinlich berührt auf ihren Teller)
Naja, so hätte ich es vielleicht nicht ausgedrückt!

CHANTAL
Du interessierst dich sehr für ihn, oder?

JULE
(verlegen)
Naja, sagen wir mal so, er ist recht (zögert)... niedlich! Aber ich kenne ihn ja kaum und noch dazu jetzt wo sein Gedächtnis...

CHANTAL
(unterbricht sie)
Als ob das ein Grund wäre! Deshalb könnt ihr euch doch trotzdem verlieben!

JULE
(nachdenklich)
Stimmt, warum eigentlich nicht?!





CHANTAL
(hastig)
Auf der anderen Seite wird er, (kurze Pause) werden wir sehr viel Zeit damit verbringen seine Erinnerungen zurückzuholen. Ich weiß nicht, ob er da noch viel Zeit auf die Liebe verwendet.

JULE
(traurig)
Außerdem werden wir uns ja eigentlich auch gar nicht mehr sehen. Ach das ist Schwachsinn. Das wird nie was!

CHANTAL
(wieder ganz freundlich)
Hmm, das mit dem Wiedersehen dürfte kein Problem sein, ich hatte vor in absehbarer Zeit eine kleine Party zu geben, wenn du Lust hast...

JULE
Ach, ich weiß auch nicht...


35. LINUS` HAUS INNEN/TAG

INSERT: „Drei Tage später“

CHANTAL und LINUS stehen in LINUS´ Schlafzimmer vor einem Spiegel. Beide tragen schwarz. CHANTAL ist gerade dabei seine Krawatte zu binden. Er hält ein Bild von MICHELLE in der Hand und guckt es gedankenverloren an. CHANTAL ist fertig, sie bemerkt seine Abwesenheit und seufzt.

CHANTAL
So, fertig...

LINUS sieht auf und betrachtet sich und CHANTAL kritisch im Spiegel.

CHANTAL
Also wenn dir das zu viel ist...

LINUS
(unterbricht sie, forsch)
Nein, das ist schon in Ordnung so!

CHANTAL nimmt ihre Tasche, die beiden verlassen den Raum.


36. FLUR INNEN/TAG

LINUS
Kommt Jule auch?

CHANTAL
(irritiert)
Ähm, ich weiß nicht...

LINUS geht zur Tür und öffnet sie, er ist schon halb draußen als er sich zu CHANTAL umdreht, die stehen geblieben ist und ihn ansieht.

LINUS
Was ist?

CHANTAL
Hmm? Nichts, nichts!


37. FRIEDHOF AUSSEN/TAG

Die Trauergemeinde, allen voran der PASTOR, den wir schon von der Hochzeit kennen, zieht Richtung Grabstätte. Hinter ihm LINUS mit CHANTAL, die ELTERN und sonstige VERWANDTE, die wir zum Teil schon auf der Hochzeit gesehen haben. Auch dabei: JULE, MARK und ALICIA. Alle sind bestürzt, aber dennoch gefasst.

Am Grab angekommen, lässt der PASTOR die Urne hinab, spricht einige Worte, dann folgt die übliche Prozession.

JULES und LINUS` Blicke treffen sich öfter, nicht unbeobachtet von CHANTAL, der die Eifersucht förmlich ins Gesicht geschrieben steht.

Es folgen Mitleidsbekundungen der Trauergäste und einige kurze Gespräche, wobei LINUS immer sehr unsicher und hilflos scheint und CHANTAL sich eher in den Vordergrund drängt.


38. VOR LINUS` HAUS AUSSEN/TAG

JULE steht mit einem Topfkuchen in den Händen vor der Tür und schellt. Nach kurzer Zeit kommt LINUS und öffnet.

LINUS
(angenehm überrascht)
Jule! Was machst du denn hier?

JULE
Hi Linus! Ich wollte mal sehen wie es dir geht ! Ich habe einen Kuchen gebacken und...

LINUS grinst und macht mit einem leicht übertriebenen Diener in der offenen Tür klar, dass sie eintreten soll.


39. FLUR INNEN/TAG

JULE
(weiter)
...ja und da wollte ich mal gucken, ob du vielleicht Zeit hast.

Sie gehen zur Küche.

LINUS
Chantal ist auch gerade da, aber wenn es dir nichts ausmacht können wir ja zu dritt deinen Kuchen essen!



40. KÜCHE INNEN/TAG

CHANTAL erblickt JULE, steht auf und umarmt sie.

CHANTAL
Jule, schön dich zu sehen!!!

An ihrem Gesichtsausdruck sehen wir aber, dass sie sich aber doch nicht so freut, wie sie vorgibt, sondern ziemlich eifersüchtig ist.

JULE
Hi Chantal, ich hoffe ich störe euch nicht.

CHANTAL
Ach was!

LINUS geht zum Küchenschrank und holt Teller, Gabeln, ein Messer und eine Tasse heraus. Auf dem Tisch stehen schon eine Kanne Kaffee und zwei Tassen. LINUS deckt den Tisch und die drei setzten sich. CHANTAL beginnt den Kuchen aufzuschneiden und gibt jedem ein Stück. LINUS schenkt JULE Kaffee ein.
Peinliche Stille.
CHANTAL nimmt ihr Stück Kuchen einfach in die eine Hand und hält die andere zum Krümelauffangen darunter und beißt hinein. JULE und LINUS fangen mit ihren Gabeln an zu essen.

CHANTAL
Den hast du selbst gebacken, oder? Ist da Kokos drin?

JULE
Ja. Schmeckt er dir etwa nicht?

CHANTAL
Doch, der schmeckt voll super! Was meinst du Linus?

LINUS
(mit vollem Mund)
Schmeckt toll.(leicht spöttisch) Vielleicht sollten wir Jule zur Bäckerin des Jahres küren, was meinst du Chantal?

JULE
(deutet eine Verbeugung an)
Danke, danke! Ich nehme auch Geschenke!

LINUS und JULE lachen kurz, CHANTAL jedoch guckt eher etwas angespannt zwischen den beiden hin und her. Es kehrt wieder peinliches Schweigen ein. Die drei essen weiter ihren Kuchen.

JULE
(plötzlich in die Stille hinein)
Habt ihr auch den Wetterbericht gehört? Das soll wieder so doll regnen. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder so schlimm wird wie letztes Mal. Da ist mir der halbe Keller weggeschwommen.

LINUS
Na hoffentlich nicht! Sonst engagierst du uns wahrscheinlich noch zum Eimerschleppen!

JULE
Worauf ihr wetten könnt!

CHANTAL
(schnippisch mit einem bösen Blick auf JULE)
Ja klar und unsere Keller lassen wir währenddessen absaufen!

LINUS
Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?

CHANTAL
(beschwichtigend)
Tschuldigung!

LINUS
Du bist in letzter Zeit öfters so, was ist denn los?

CHANTAL
(zögernd)
Ach, ich hab zur Zeit ziemlich viel Stress. Beruflich und so halt... Das läuft gerade alles nicht so super.


JULE
Was arbeitest du denn?

CHANTAL
Ich habe eine kleine Boutique. In der Luise-Katharina-Straße. Kennst du bestimmt nicht, ist ziemlich klein und auch nicht so eine typische Einkaufsstraße...

JULE
Warte mal, du meinst doch nicht zufällig dieses kleine Geschäft mit den ausgefallenen Brautkl...

CHANTAL
Doch, genau! Woher kennst du das denn?

JULE
Vor 4 Jahren hat meine Schwester geheiratet. Ich war mit Kleider angucken. Aber wie läuft so ein kleiner Laden denn?

CHANTAL
Naja, im Moment nicht so toll. Die meisten Leute wollen oder können so viel Geld gar nicht ausgeben und da bleib ich auf meinem Kram Teils sitzen. Maßgeschneiderte Einzelstücke sind eben nicht ganz billig.

JULE
Also ich fand die toll, aber meine Schw...

LINUS
(plötzlich mit abwesender, nachdenklicher Stimme)
Hat Michelle ihr Kleid auch bei dir gekauft?


CHANTAL
(leise, fast flüsternd)
Ja.

LINUS
War ich dabei?

CHANTAL
Nein, du weißt doch, es bringt Unglück wenn der Bräutigam die Braut vor der Hochzeit schon im Brautkleid sieht.

LINUS
Das gab trotzdem...

JULE
(beschämt)
Tut mir leid. Ich hätte nicht damit anfangen sollen.

LINUS
Schon gut. Reden wir von was anderem. Wie findet ihr eigentlich...

Ein Handy klingelt im Flur. CHANTAL rennt hin, zieht es aus ihrer Jackentasche und kommt zur Küche zurück. In der Tür bleibt sie stehen.

CHANTAL
Ja?!

Pause

Scheiße! Ja gut bin sofort da!

Pause

Gut. Bis gleich, ich beeile mich.

Sie beendet das Gespräch und wendet sich wieder JULE und LINUS zu, die sie fragend angucken.

CHANTAL
Tschuldigung, aber wenn man vom Teufel spricht... Ich muss weg. Uns ist da eine Lieferung Stoff in den Laden gekommen, die keiner bestellt hat und nun gibt’s das absolute Chaos! Einer alleine schafft das da jetzt leider nicht! Tschüß, tut mir wirklich leid!

Sie schnappt sich ihre Jacke und verschwindet.
LINUS und JULE sitzen jetzt alleine am Tisch vor den mittlerweile leeren Tellern und Tassen. LINUS trinkt gerade noch den letzten Schluck aus seiner Tasse, stellt sie dann laut auf den Tisch und lehnt sich zurück, wobei er die Arme vor der Brust verschränkt.

LINUS
(grinsend)
Und was machen wir zwei Zurückgelassenen jetzt?

JULE
Wie wäre es mit einem Spaziergang?

LINUS
OK. Hilfst du mir noch eben den Kram in den Geschirrspüler zu räumen?

JULE
Klar.

Beide stehen auf, LINUS öffnet eine Klappe hinter der sich der Geschirrspüler verbirgt und die beiden räumen das Geschirr ein. JULE klappt den Spüler wieder zu.


41. PRÄSIDIUM INNEN/TAG

ALICIA sitzt an ihrem Schreibtisch und blättert in einem Aktenordner. MARK betritt den Raum, mit einer dicken Mappe winkend. Er macht ein leicht genervtes Gesicht.

MARK
Schlechte Nachrichten!

Er geht zu dem Stuhl, vor ALICIAS Schreibtisch, der eigentlich für Besucher gedacht ist, lässt sich hineinplumpsen, schaufelt sich Platz auf dem Schreibtisch frei und breitet dort seine Mappe aus.

MARK
Also... ich habe die Zeugenaussagen der Gäste und sämtliche Alibis von Verdächtigen überprüft!

ALICIA
Und?

MARK
(genervt)
Ja,... nichts!

ALICIA
(ratlos)
Hmm...

MARK starrt einen Moment nachdenklich in den Raum.

MARK
Sag mal, was hältst du eigentlich von dieser Chantal, die sich so an Linus ranschmeißt?

ALICIA
Gute Frage. Kann das nicht sein, dass sie das nur macht, weil sie die beste Freundin von Michelle war? Das muss doch nicht unbedingt was heißen.

MARK
Warte mal...

Er beginnt in seiner Mappe zu wühlen, bis er den Zettel, den er gesucht hat, rauszieht.

MARK
Die war aber gar nicht auf der Hochzeit, ist das nicht komisch, wenn die doch so dick befreundet waren?

ALICIA
Hast du ein Alibi oder so was von ihr?

MARK
Nee, meinst du wir sollten sie mal anrufen?

ALICIA
Glaubst du sie hat ihre beste Freundin erschossen?

MARK
(skeptisch)
So gut befreundet und nicht mal zur Hochzeit erschienen?

ALICIA
Versuchen können wir`s doch mal. Hast du die Nummer?

MARK
Ja, die Krankenschwester hat sie notiert... Ich muss sie nur noch finden...

ALICIA
Dann such die Nummer raus und bestell sie her. Das interessiert mich jetzt wirklich.


42. FELDWEG AUSSEN/TAG

JULE und LINUS gehen nebeneinander her den Weg entlang. JULE pflückt einen langen Grashalm ab und beginnt ihn zu zerrupfen. Plötzlich bleibt LINUS stehen.

LINUS
(angewidert)
IIIIhhh! So ne Scheiße jetzt bin ich in Hundekacke getreten!

JULE
(lässt ihren Grashalm fallen und fängt an zu lachen)
Igitt! Das musst du im Gras abwischen!

LINUS
(fängt an zu grinsen)
So doof bin ich nun auch nicht.

Er stellt sich an den Randstreifen und beginnt wild die Scheiße abzuwischen. JULE lacht sich halb tot. Dann gehen die beiden weiter.

JULE
Magst du eigentlich Hunde?

LINUS
Solange sie nicht alle Wege vollkacken...
Nee, eigentlich schon, aber Katzen sind mir lieber.

Die beiden gehen wieder einige Zeit stumm nebeneinander her, dann nimmt LINUS
das Gespräch wieder auf.

LINUS
Was machst du eigentlich so in deiner Freizeit?

JULE bleibt plötzlich stehen, streckt die Arme aus und schaut nach oben.

JULE
Scheiße! Es fängt an zu regnen. Hoffentlich wird es bald besser, sonst kann ich meinen Keller vergessen!

Doch es wird doller. LINUS packt JULE am Arm und zieht sie hinter sich unter einen Baum.

LINUS
(lächelt JULE zu)
Lass uns hier erst mal warten, vielleicht hört es ja bald wieder auf.

ABBLENDE

AUFBLENDE ZU:

43. PRÄSIDIUM INNEN/TAG

CHANTAL sitzt auf dem Stuhl vor ALICIAS Schreibtisch. Vor ihr ALICIA und MARK, der Protokoll führt. CHANTAL schaut sich nervös im Raum um und spielt mit ihren Fingern. MARK beobachtet sie skeptisch. ALICIA sieht von ihren Unterlagen auf.

ALICIA
So, Frau Gräbe... Sie sind oder waren also die beste Freundin von Michelle Witte?!

CHANTAL
Ja, das stimmt.

ALICIA
(lächelnd)
Wie lange waren sie denn schon befreundet?

CHANTAL
Hm, seit der 8. Klasse. Wir waren zusammen auf dem Gymnasium.

ALICIA
Das ist ja eine ziemlich lange Zeit. Der Grund, warum wir Sie vorgeladen haben ist folgender: Uns ist aufgefallen, dass sie gar nicht auf der Hochzeit ihrer besten Freundin waren. Ich meine, das ist ja doch etwas merkwürdig, weil sie doch seit Jahren befreundet waren...



CHANTAL
Ja, wissen Sie, das war wirklich eine blöde Sache, aber wissen Sie, ich bin Modedesignerin und ich hatte in dieser Woche die wichtigste Tagung des Jahres in Mailand. Der Flug war schon im Voraus gebucht, genau wie das Hotel, und als Michelle und Linus dann kurzfristig den Termin für ihre Hochzeit bekannt gaben, habe ich auf die schnelle keinen Ersatz gefunden und musste selbst nach Italien reisen.(Sie holt tief Luft) Ich konnte doch nicht ahnen, dass ich die beiden nie wiedersehen würde... Wissen Sie, ich liege noch in der Sonne und hoffe, dass die beiden genau so gutes Wetter haben wie ich und gehe abends noch zu einer Show und als ich wiederkomme auf meinem Anrufbeantworter...(eine Träne rollt ihr über die Wange)

MARK
Wir können uns vorstellen, wie schwer das für sie ist (CHANTAL schluchzt) aber sie werden sicher verstehen, dass wir unsere Arbeit machen und jedes Alibi prüfen müssen. Haben Sie vielleicht die Adresse oder die Telefonnummer Ihres Hotels?

CHANTAL kramt in ihrer Handtasche, holt ein Prospekt heraus und gibt es ALICIA, die gibt es MARK, der es mit einem beeindruckten Gesichtsausdruck entgegennimmt.

ALICIA
Ja, Frau Gräbe, das war`s eigentlich auch schon. Ich hoffe wir haben Ihnen keine Umstände gemacht, aber das ist nun mal unser Job.

CHANTAL
(steht auf)
Kein Problem.

MARK steht ebenfalls auf und hält ihr die Tür auf.

44. VOR DEM BÜRORAUM INNEN/TAG

CHANTAL bleibt kurz vor der Tür stehen, holt tief Luft, schickt ein dankendes Stoßgebet zum Himmel und geht erleichtert den Gang runter.


45. BÜRORAUM INNEN/TAG

MARK kommt von der Tür zurück und setzt sich auf den Stuhl vor ALICIAS Schreibtisch.

ALICIA
So! Dann rufen wir mal bei der Rezeption an!

Sie nimmt den Telefonhörer in die Hand, MARK hält ihr das Prospekt hin, während sie wählt. Sie wartet und trommelt dabei ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch.

ALICIA
(holt tief Luft)
Hello, my name is Alicia Schneider calling from a german police department in Hamburg and...

Pause

Ach super, Sie sprechen deutsch. Ja also ich bin wie gesagt von der Kriminalpolizei und ich hätte eine Frage bezüglich eines Gastes, der vor einer Woche bei Ihnen war. Ich brauche nur eine Aufenthaltsbestätigung. Können Sie mir da weiterhelfen?


46. HOTELREZEPTION INNEN/TAG

EMPFANGSDAME
Ja klar, sagen Sie mir bitte mal eben den Namen!


47. BÜRO INNEN/TAG

ALICIA
Chantal Gräbe (sie wartet kurz) aus Hamburg


48. HOTELREZEPTION INNEN/TAG

EMPFANGSDAME
Moment... letzte Woche... ach ja, eine der wenigen Gäste, die noch geblieben sind!


49. BÜRO INNEN/TAG

ALICIA
(skeptisch)
Warum denn eine der wenigen Gäste, ich dachte letzte Woche wäre es so schön gewesen?!


50. HOTELREZEPTION INNEN/TAG

EMPFANGSDAME
Nein, im Gegenteil, das Wetter war total mies, es waren höchstens 15C und es hat in Strömen geregnet... Aber Frau Gräbe war tapfer (lacht)!


51. BÜRO INNEN/TAG

ALICIA
(verwirrt)
Würden sie bitte einen kurzen Moment warten?... (hält die Hand auf die Sprechmuschel; zu MARK) Es hat geregnet!

MARK
(aufgeschreckt)
Wie?!

ALICIA
Es hat letzte Woche in Mailand geregnet!


MARK
Chantal meinte doch, es wäre so tolles Strandwetter gewesen... Frag mal, wie die Chantal Gräbe aussah!

ALICIA
(nimmt die Hand weg; zur EMPFANGSDAME)
Hallo? Ähm könnten Sie mir zur Sicherheit noch mal beschreiben, wie Frau Gräbe aussah?


53. HOTELREZEPTION INNEN/TAG

EMPFANGSDAME
Hmmm, könnten Sie kurz warten, das Zimmermädchen, das letzte Woche für ihr Zimmer zuständig war könnte ich mal fragen...


54. BÜRO INNEN/TAG

ALICIA
(zu MARK)
Sie fragt das Zimmermädchen.

MARK
Mmh... Aber Chantal hat doch gesagt, dass es supergutes Wetter war.

ALICIA winkt ihn ab.

ALICIA
(zur EMPFANGSDAME)
Ja? Groß! Blond! Elegant! Danke! (sie legt auf)
Chantal war groß und blond!

MARK
Was soll der Scheiß, da ist doch was faul!


55. VOR LINUS` HAUSTÜR AUSSEN/TAG

LINUS und JULE stehen vollkommen durchnässt und lachend vor der Tür. LINUS sucht den Schlüssel in seiner Tasche, findet ihn und schließt die Tür auf. Die beiden treten ein.


56. FLUR INNEN/TAG
JULE
Puh, endlich im Trockenen.

Sie nimmt ihre Haare und wringt sie aus.

LINUS
Ich geb dir erst mal was Trockenes zum Anziehen, sonst erkältest du dich noch!

JULE
Danke, das ist lieb von dir.

LINUS verschwindet im Schlafzimmer und kommt darauf mit einem Pullover, einer Hose und einem Handtuch zu JULE zurück. Er öffnet ihr die Tür zum Badezimmer und deutet hinein.

LINUS
Da kannst du dich umziehen. Der Föhn muss in der obersten Schublade sein, wenn du ihn brauchst.

JULE nimmt die Sachen.

JULE
...bis gleich!

Sie geht ins Badezimmer und schließt die Tür hinter sich.


57. KÜCHE INNEN/TAG

LINUS steht in der Küche und bereitet an der Arbeitsfläche Tee zu. JULE kommt ins Zimmer, die nassen Klamotten überm Arm.

JULE
Ähm, wo soll ich die nassen Sachen über die Heizung legen?

LINUS
Mach das mal... kannst du dich auch um das Teewasser kümmern? Dann zieh ich mich auch um.

ABBLENDE

AUFBLENDE ZU:


58. TAGEBUCH INNEN/NACHT

Wir sehen eine Schreibfeder, die sich über ein Blatt Papier eines Buches bewegt.
Die Schrift ist hektisch und verzerrt, aber wir können trotzdem erkennen, was dort geschrieben wird:

Jule ist mir im Weg. Sie gefährdet die ganze Aktion. Ich kann nicht mehr nur so tun, als ob ich ihre Freundin wäre, die sich liebevoll um LINUS sorgt. Ich HASSE sie. Sie schmeißt sich an Linus ran, und er scheint allmählich ihre Gefühle zu erwidern. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als sie auch aus dem Weg zu räumen, sonst komme ich nie an mein Geld. Arme Jule, jetzt wirst du bald wissen was Michelle durchmachen musste...

Die Feder setzt ab. CHANTALS schäbiges Lachen ist zu hören. Nach einer kurzen Pause klappt das Buch zu und wird auf ein kleines Nachtschränkchen neben eine kleine Lampe gelegt, die die einzige Lichtquelle in dem Raum zu sein scheint.

ABBLENDE

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59. LINUS` KÜCHE INNEN/NACHT

JULE und LINUS sitzen sich wieder gegenüber an dem Tisch in der Küche. LINUS hat sich mittlerweile auch neue, trockene Sachen angezogen. Beide haben eine Tasse Tee vor sich, in der JULE gedankenverloren rumrührt. LINUS hingegen hält seine Tasse mit beiden Händen fest, um sie sich zu wärmen.

LINUS
(sehnsüchtig)
Das muss eine tolle Zeit gewesen sein.

JULE
Ja, das war es wirklich. Leider habe ich heute kaum noch Zeit für so etwas.

LINUS
(traurig)
Ich wünschte ich könnte mich auch wieder an etwas erinnern.

(Er schaut von seiner Tasse auf und sieht JULE an.)

Ich bin wirklich froh, dass ich dich kennen gelernt habe. Du bist mir wirklich eine große Hilfe.

JULE
(leicht beschämt)
Danke, Linus.

JULE will zu einem neuen Satz ansetzten, verstockt dann aber doch und fragt schnell:

JULE
(fortfahrend, verlegen)
Kommst du morgen Abend eigentlich auch zu Chantals Party? Sie hat mich eingeladen, aber ich weiß noch nicht, ob ich hingehen soll, schließlich kenne ich außer Chantal niemanden dort mit dem ich mich unterhalten könnte.

LINUS
Ich würde mich wirklich freuen, wenn du kommen würdest. Dann könnten wir zusammen hingehen. Ich wollte auch erst nicht kommen, weil ich Angst davor hatte die Menschen nicht wieder zu erkennen. Aber mit dir zusammen...

JULE
Okay, soll ich dich dann morgen abholen? So gegen sieben Uhr?

LINUS
In Ordnung. Ich freu mich!

JULE blickt kurz auf die Uhr und erhebt sich schnell.

JULE
(aufgeregt)
Oh mein Gott! Das habe ich ganz vergessen!

LINUS
(schnell einwerfend)
Was?!

JULE
In einer Viertelstunde fängt meine Nachtschicht an! Wenn ich schon wieder zu spät komme...

Sie verlässt schnell die Küche. LINUS folgt ihr.


60. FLUR INNEN/NACHT

LINUS und JULE kommen aus der Küche in den Flur gelaufen. Während JULE in ihre Schuhe schlüpft, hält LINUS ihr ihre Jacke bereit. JULE dreht sich zu LINUS um, nimmt ihre Jacke und öffnet die Tür.

JULE
(gelassen)
Es war heute wirklich schön mit dir, Linus.

LINUS
Ja, das finde ich auch. Vielleicht können wir das bald mal wiederholen?

JULE
Gerne.

JULE schaut kurz auf die Uhr, dann zu LINUS. Sie gibt ihm ein kleines Küsschen auf die Wange und verschwindet lächelnd durch die Tür.


61. PRÄSIDIUM INNEN/TAG

Wir sehen die Tür des Büroraums. Es gibt ein kurzes Knacken im Türschloss, dann öffnet sich die Tür und ALICIA betritt den Raum. Sie trägt einen Stapel Akten bei sich und lässt diesen unsanft auf ihren Schreibtisch fallen. Sie zieht sich ihren Mantel aus, hängt ihn an die Garderobe und holt die Post aus ihrem Fach. Sie lässt sich in ihren Sessel fallen und fängt an die Post durchzusehen. In diesem Moment betritt MARK das Büro. Er sieht sehr unausgeschlafen aus, hängt seine Jacke auf und lässt sich schließlich wiedereinmal in den Sessel vor ALICIAS Schreibtisch fallen.

ALICIA
Hey! Du siehst nicht besonders ausgeschlafen aus! Hast wohl auch die ganze Nacht über diese Chantal nachgedacht, oder?

MARK
Du hast es erraten! Die ganze Sache ist mir ein Rätsel. Ich glaube, sie war nicht in diesem Hotel in Mailand. Groß und blond? Diese Beschreibung passt überhaupt nicht zu Frau Gräbe! Nur, wer war an ihrer Stelle in Mailand? War das Zufall?


ALICIA
Hmm, vielleicht wurde diese Frau von Frau Gräbe beauftragt dorthin zu fahren?
Als Alibi? Wenn sie wirklich die Mörderin ist, hätte sie sich doch denken können, dass ihr Alibi geprüft werden würde.

MARK
Das kann natürlich sein. Sie bleibt hier, während eine andere unter ihrem Namen die Tagung besucht. Wir müssen mehr darüber erfahren. Was hältst du davon, wenn wir uns mal bei dieser Chantal näher umsehen, die hat doch ein Geschäft in der... Moment...

(er fängt an in einer der Akten rumzuwühlen)

...Luise-Katharina-Straße 24.

ALICIA
(fällt ihm ins Wort)
Aber sie darf nicht bemerken, dass wir sie immer noch verdächtigen. Sie fühlt sich im Moment bestimmt sicher und könnte wichtige Details verschwinden lassen, wenn sie von unserem Verdacht erfährt...

MARK
Okay. Am besten wir fahren gleich los, unterwegs fällt uns bestimmt noch ein Vorwand für unseren Besuch ein.

ALICIA
(stöhnt)
Wollen wir nicht wenigstens noch schnell einen Kaffee trinken? Ich bin hundemüde!

MARK
Nein, nein! Komm schon, es geht hier schließlich um einen Mord!

ALICIA und MARK erheben sich. Die beiden sind gerade dabei ihre Jacken anzuziehen, als das Telefon auf ALICIAS Schreibtisch klingelt.
ALICIA geht zu ihrem Schreibtisch und greift nach dem Hörer.

ALICIA
Schneider, Kripo Hamburg?

Pause

ALICIA stöhnt genervt.

ALICIA
Wir hatten gerade etwas anderes vor, ist das wirklich so wichtig?

Pause

ALICIA
Okay, wir sind sofort da.

ALICIA legt den Hörer auf. MARK sieht sie fragend an.


ALICIA
Das was der Chef. Der Polizeipräsident ist heute zu Besuch, und deshalb möchte er, dass wir alle zu ihm ins Büro zu einer kleinen Feier kommen. Unseren Fall sollen wir erst mal solange zurückstellen.

MARK
(erfreut)
Dann gibt’s wenigstens Kaffee!

MARK und ALICIA fangen an zu lachen und verlassen das Büro.

ABBLENDE

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62. JULE`S SCHLAFZIMMER INNEN/TAG

Im Spiegel in JULES Schlafzimmer sehen wir, wie JULE verschiedenen Kleider aus ihrem Schrank nimmt und sie aufs Bett legt. SCHWENK auf JULE. Sie betrachtet einen Moment lang die verschieden Kleider und nimmt dann eines, geht zum Spiegel und betrachtet sich während sie sich das Kleid vorhält. Sie lächelt. Dann verlässt sie mit dem Kleid den Raum.


63. VOR LINUS` HAUSTÜR AUSSEN/NACHT

JULE steht vor LINUS` Haustür und klingelt. Sie trägt das Kleid, mit dem sie sich im Spiegel betrachtet hat. LINUS öffnet die Tür.

JULE
Hi! Ich hoffe es stört dich nicht, dass ich es nicht mehr pünktlich geschafft habe.

LINUS
Nein, natürlich nicht! Wollen wir gleich los?

JULE
(lächelnd)
Okay!

Die beiden steigen in JULES Wagen, schnallen sich an und fahren los.

ABBLENDE

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63. CHANTALS HAUSTÜR AUSSEN/NACHT

JULE und LINUS stehen vor CHANTALS Haustür und klingeln. Die Tür öffnet sich und Chantal steht vor ihnen. Aus dem Haus hört man Musik auf die Straße dröhnen.


CHANTAL
(überspielt ihre Eifersucht darüber,
dass LINUS und JULE zusammen gekommen sind)
Hallo ihr beiden! Ich dachte schon, ihr kommt nicht mehr!

LINUS
(verlegen)
Nun ja, wir haben solange gebraucht um dein Haus zu finden! War gar nicht so einfach. Niemand den wir gefragt haben wusste, dass du hier in der Nähe wohnst. Aber als wir dann an dem Haus vorbei gefahren sind, haben wir es von deiner Beschreibung her erkannt.

JULE
Es tut uns wirklich leid. Können wir jetzt reinkommen? Wir haben dir was mitgebracht!

CHANTAL
Aber natürlich! Ich wollte euch nicht hier in der Kälte stehen lassen. Kommt ruhig rein!

LINUS und JULE gehen ins Haus, während CHANTAL die Tür für die beiden aufhält. Als die beiden an ihr vorbeigegangen sind, wirft CHANTAL JULE von hinten einen hasserfüllten Blick zu und auf ihrem Gesicht erscheint ein siegesgewisses Lächeln.


64. CHANTALS FLUR INNEN/NACHT

In CHANTALS Wohnung tummeln sich viele Menschen, die zu der lauten Musik tanzen. Einige von ihnen erblicken JULE und LINUS und kommen auf sie zugeströmt.

JEMAND
Mensch, Linus! Das mit Michelle tut mir wirklich leid, aber wir sind heute hier zum Feiern! Komm, ich bring dich zu den anderen!

LINUS hat kaum Zeit seine Jacke auszuziehen, als er auch schon von einigen Leuten von JULE weggedrängt und zu einigen anderen Menschen hingeschoben wird. JULE bleibt irritiert an der Garderobe stehen und hängt ihre Jacke auf. CHANTAL geht an JULE vorbei zu den anderen und würdigt sie keines Blickes. LINUS ist mittlerweile von einer Menschentraube umschlossen und erhält die volle Aufmerksamkeit der Gäste, auch wenn er das nicht will. JULE sieht sich einen Augenblick lang um, dann geht sie zum provisorisch aufgebauten Büffet und schenkt sich unbemerkt von den anderen Gästen ein Glas Bowle ein. Auch CHANTAL scheint in diesem Moment kein Interesse für LINUS zu haben, und schleicht sich in die Küche. JULE setzt sich betrübt auf einen der vielen freien Stühle und fängt an, ein bisschen was von ihrer Bowle zu schlürfen.


65. WOHNZIMMER INNEN/NACHT

Wir sehen JULE, die immer noch auf ihrem Stuhl sitzt. Es scheint schon einige Zeit vergangen zu sein, und JULE wirft einen flüchtigen Blick auf die Uhr. LINUS wird immer noch von vielen Menschen umschlossen, aber einige sind in der Zwischenzeit von seiner Seite abgewichen und unterhalten sich in kleinen Grüppchen. JULE steht auf und schlendert an der Küche vorbei zur Wendeltreppe, wir sehen wie sie nach oben verschwindet.


66. OBERER HAUSFLUR INNEN/NACHT

JULE erscheint auf der Wendeltreppe und kommt auf uns zu. Sie wirft einen flüchtigen Blick in die Zimmer links und rechts, deren Türen offen stehen. Sie schlendert schließlich an uns vorbei und öffnet die letzte Tür des Ganges. Sie wirft einen interessierten Blick in das Zimmer und verschwindet.


67. CHANTALS SCHLAFZIMMER INNEN/NACHT

JULE betritt das Schlafzimmer und sieht sich interessiert um. Sie geht durch den Raum bis zum Fenster und schaut hinaus. Sie dreht sich um, zu ihrer linken die Schrankwand und zu ihrer rechten ein bequem aussehendes Bett. JULE geht um das Bett herum und stellt ihr Glas auf den Nachtschrank. Sie legt sich aufs Bett und schließt für einen kurzen Moment die Augen. Als sie ihre Augen wieder öffnet, fällt ihr Blick zuerst auf das Bowlenglas. Ein kleines Buch, das direkt neben ihrem Glas liegt, erweckt ihre Aufmerksamkeit. JULE richtet sich auf und nimmt das Buch in die Hand. Sie streicht sanft über den Umschlag, dann schlägt sie es auf und beginnt in den Seiten zu blättern. Wir können sehen, dass es sich bei dem Buch um ein Tagebuch handelt. Ihr Blick bleibt auf einem der letzten Einträge haften. Nach kurzer Zeit sehen wir, dass sich ihr Blick mit Angst erfüllt und sie anfängt hastig zu atmen.
CHANTAL steht in der offenen Tür.

CHANTAL
(gehässig, selbstzufrieden)
Du hast es also gefunden, du kleine Schlampe.

JULE schaut erschrocken zu CHANTAL hoch.

JULE
(in Panik)
Du hast sie umgebracht! Du Mörderin! Ich habe dir vertraut!

CHANTAL beginnt langsam auf JULE zuzugehen. In ihrer rechten Hand hält sie eine Pistole.

CHANTAL
(gelassen)
Schlaues Mädchen. Ja, Ich habe sie umgebracht. Bestimmt fragst du dich warum, aber glaube mir, ich hatte meine Gründe.

JULE
(schreiend)
Ach ja? Was rechtfertigt denn einen Mord?! Ich werde dich wegen Mordes anzeigen!



CHANTAL
(fällt ihr ins Wort)
Nun mal nicht so vorlaut! (sie lacht gehässig) Ich will dir erst mal meine kleine Geschichte erzählen. (sie macht eine kurze Pause, dann fährt sie fort Ich war schon lange mit Michelle befreundet. Dann lernte sie Linus kennen und schon bald waren die beiden ein Paar.

JULE schaut sich verzweifelt im Raum nach einer Fluchtmöglichkeit um, doch weiß sie nicht wohin, da CHANTAL immer noch den Weg zur Tür blockiert.

CHANTAL
(weiter)
Während Michelle und Linus glücklich miteinander waren, und sogar bald die Hochzeit stattfinden sollte, wurde ich entlassen. Ich hatte große Schwierigkeiten mich überhaupt über Wasser zu halten und war schon bald am verzweifeln. (sie macht eine kurze Pause) Doch dann kam Michelle ein paar Tage vor der Hochzeit zu mir und erzählte mir, dass sie vorhabe eine Lebensversicherung abzuschließen. Linus sollte erst bei der Hochzeit davon erfahren, deshalb bat sie mich mich bis zur Hochzeit als Begünstigte im Falle ihres Todes eintragen zu lassen. (zu JULE) Sobald die beiden geheiratet hätten, hätte ich keinen Cent mehr von dem Geld gesehen, verstehst du? (sie lacht abermals gehässig auf) Also musste ich sie noch vorher umbringen. Außerdem konnte ich es nicht ertragen, dass Michelle und Linus so glücklich miteinander waren, während es mir so scheiße ging. (kurze Pause) Aber mein Geld habe ich leider noch nicht bekommen. Das Institut bestand nach ihrem Mord darauf, dass Linus als engster Vertrauter von Michelle darauf schwört, dass ich als Mörderin ausgeschlossen werden kann. Zum Glück haben die Leute vom Versicherungsinstitut der Polizei nichts gesagt, die führen genauso dreckige Geschäfte wie ich. Ich bin mir sicher, dass Linus auf mich schwören wird, so wie ich ihm geholfen habe. Dank seiner Amnesie war es ein leichtes, sich bei ihm einzuschleimen.

JULE
Ich werde nicht zulassen, dass du...

CHANTAL
(aggressiv)
Was wirst du? Du wirst gar nichts mehr! Hast du denn nicht gelesen, was ich als nächstes geplant hatte? Ich konnte ja nicht ahnen, dass du mein Buch entdeckst, aber so erspare ich mir eine Menge Mühe und Umstände!

CHANTAL zieht ihre Pistole und richtet sie auf JULE, die immer noch auf dem Bett sitzt. ZWEI SCHÜSSE fallen. CHANTAL sinkt blutend zu Boden. Die Schüsse haben ihren Rücken getroffen. SCHWENK auf MARK und ALICIA, die jetzt in der Tür zu sehen sind.

MARK
Guter Schuss, Alicia! (ernst zu JULE) Ist mit Ihnen alles in Ordnung, Jule?





JULE
(stotternd)
Ich... ich denke schon. Aber wie... wie konnten Sie das wissen? Woher wussten Sie, dass Chantal die Mörderin ist und ich hier mit ihr zusammen war?

MARK
Das haben wir auch erst vor ein paar Minuten herausgefunden. Diese Frau ist nicht Chantal Gräbe. Sie heißt Isabell Kunze und hat bis vor ein paar Wochen in dem Brautmodengeschäft von Chantal Gräbe gearbeitet. Dann wurde sie entlassen. Wenn sie ihre Aussage bei uns ein bisschen besser durchdacht hätte, wäre der Schwindel wohl nie aufgeflogen und sie hätte ein wasserdichtes Alibi gehabt. Aber so...

Er schaut runter auf den blutigen Fußboden zu ISABELLS Leiche. Dann erblickt er das Tagebuch und nimmt es in die Hand.

JULE steht auf und geht an der Wand gestützt an ISABELLS Leiche vorbei zur Tür.


68. OBERER HAUSFLUR INNEN/NACHT

LINUS steht schon ungeduldig auf dem Flur und wartet. Von der Musik ist nichts mehr zu hören, stattdessen laufen im Flur Beamte der Spurensicherung entlang.

LINUS
(besorgt)
Ist alles in Ordnung mit dir?

JULE
Ja.

Sie lächelt ihn an. Er lächelt zurück. Hand in Hand schlendern die beiden den Flur entlang, bis sie die Treppe hinuntergehen und nicht mehr zu sehen sind.



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